Das Wort "Homograft" setzt sich zusammen aus zwei Teilen. "Homo" bedeutet "gleich(artig)", "entsprechend", "artgleich" und wird zunehmend ersetzt durch das Wortteil "allo". "Graft" ist englisch für "Transplantat" (= durch Einpflanzung in den Organismus verbrachte Zellen, Gewebe oder Organe). Ein Homograft ist menschliches Gewebe (z. B. Teile von herznahen Gefäßen mit Herzklappen), das in den Organismus eingepflanzt wird. Es stammt von sog. non-beating-heart-donors, also von verstorbenen Spendern oder von Spendern, denen das Herz im Rahmen einer Herztransplantation entnommen wurde. Nach Entnahme des Herzens werden die Abgänge der großen Arterien mit den Herzklappen entnommen, ausgemessen und nach spezieller Vorbehandlung in flüssigem Stickstoff tiefgefroren und darin bis zur weiteren Verwendung aufbewahrt.

In der Kinderherzchirurgie verwendet man den Begriff Homograft i. e. S. für das Pulmonalishomograft, also für den von der rechten Herzkammer (Ventrikel) entspringenden Lungenschlagaderstamm (Truncus pulmonalis) mit Herzklappe (Pulmonalklappe) mit oder ohne Aufzweigung in die rechte und linke Lungenschlagader (Pulmonalarterie). Das Pulmonalishomograft wird bei Bedarf zwischen rechtem Ventrikel und Pulmonalarterie(n) zwischengeschaltet (interponiert).

Als biologisch inaktives Gewebe wird das Homograft nicht vom Körper abgestoßen.

Das Homograft unterliegt aber den normalen Um- und Abbauprozessen (Degenerationsprozessen) des Körpers. Es kommt zu Verkalkungen und Schrumpfungen, die zu einer Funktionseinschränkung führen können. Der zeitliche Ablauf dieser Degenerationsprozesse ist u. a. abhängig von Alter des Kindes und der zugrunde liegenden Erkrankung. Es können somit keine allgemeinen Vorhersagen über den Zeitpunkt des notwendigen Austausches gemacht werden. Generell gilt, je jünger das Kind und je höher die Belastung des Homograft entsprechend der Schwere des Herzfehlers, desto früher muss ein Austausch aufgrund einer Funktionseinschränkung des Homograft durchgeführt werden.

Nach Implantation eines Homograft muss dieses durch regelmäßige Nachuntersuchungen (z. B. mittels Echokardiographie) auf seine Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden.

Implantation = Einpflanzung

Mit Hilfe von genormten Tabellen wird vor der Kinderherzoperation mit geplanter Implantation ein Homograft entsprechenden Durchmessers bereitgestellt. Vor Verwendung muss das tiefgefrorene Homograft während der Operation aufgetaut werden. Es kann anschließend auf die benötigte Länge zurechtgeschnitten werden (s. a. Galerie Homograft)

Gewebe von Spendern

 

z.B.:

    Herzklappen

oder

    Teile von:

    Aorta

    Pulmonalarterie

 

 

Biologisch inaktiv

 

 

Degenerativer Umbau

abhängig von:

  • Alter
  • Herzfehler

 

Begrenzte Funktionsdauer

 

Regelmäßige Kontrollen notwendig

 

Galerie

Homograft-Tisch

Homograft in Schutzhülle

Aufgetautes Homograft

Homograft

http://www.kinderkardiochirurgie.de

Copyright © 2012 Dr. med. Michael Ullmann

All Rights Reserved.

Kontakt

kinderkardiochirurgie online