Häufig gestellte Fragen

 

Müssen beide Elternteile bzw. Erziehungsberechtigten die Einwilligungserklärung zur Operation unterschreiben?

Braucht mein/unser Kind während der Operation Fremdblut oder Fremdblutbestandteile, wie z. B. Plasma?

Wie hoch ist das Infektionsrisiko (= Ansteckungsrisiko) im Falle einer notwendigen Transfusion (= Übertragung) von Fremdblut?

Welche Folgen hat die Entnahme von Herzbeutelgewebe (z. B. für die Verwendung als Flicken) für mein/unser Kind?

Was ist ein "Homograft"? Wird es vom Körper abgestoßen? Wann muss es ausgetauscht werden?

Wird eingepflanztes Kunststoff-Material (z. B. Flicken, Prothesen) vom Körper abgestoßen?

Wann und wie werden die im Rahmen der Herzoperation aufgenähten vorübergehenden Herzschrittmacherdrähte entfernt?

Wann werden die Hautfäden gezogen?


Müssen beide Elternteile bzw. Erziehungsberechtigte die Einwilligungserklärung zur Operation unterschreiben?

Die Einwilligung zur Durchführung einer geplanten Kinderherzoperation ist nur mit Unterschrift beider Elternteile bzw. beider Erziehungsberechtigter rechtskräftig.


Braucht mein/unser Kind während der Herzoperation Fremdblut bzw. Fremdblutbestandteile, wie z. B. Plasma?

Die Notwendigkeit einer Übertragung von Blut (= Bluttransfusion) oder von Blutbestandteilen hängt sehr von Art des angeborenen Herzfehlers und der durchgeführten Operation sowie von Alter bzw. Körpergewicht des Kindes ab. Fast alle Kinderherzoperationen erfordern den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, die wiederum eine gewichtsabhängige Blutverdünnung verursacht. Fällt der Blutfarbstoff (= Hämoglobin) unter einen vorher berechneten kritischen Wert, lässt sich eine Transfusion von Fremdblut und Fremdblutbestandteilen im Interesse der Gesundheit des Kindes nicht vermeiden.


Wie hoch ist das Infektionsrisiko (= Ansteckungsrisiko) bei einer notwendigen Transfusion (= Übertragung) von Fremdblut?

Trotz sorgfältigster Kontrollen lässt sich das Risiko einer Infektion (= Ansteckung) mit einem Virus durch eine Bluttransfusion nicht hundertprozentig ausschließen. Statistisch gesehen enthält eine von 30.000 - 50.000 getesteten Blutkonserven ein Hepatitis (= Leberentzündung) auslösendes Virus, d. h. dass Risiko für eine Ansteckung mit dem Hepatitis-Virus (Hepatitis A oder B) beträgt 1 : 30.000 - 50.000 (HI-Virus = "AIDS-Virus": 1 : ~ 1.000.000 - 2.000.000).


Welche Folgen hat die Entnahme von Herzbeutelgewebe (z. B. für die Verwendung als Flicken) für mein/unser Kind?

Der Herzbeutel (= Perikard) ist eine derbe Hülle, die das Herz umgibt und schützt. Im Rahmen einer Kinderherzoperation wird häufig ein Stück Perikard entnommen, um daraus einen Flicken (sog. Patch) herzustellen (s. a. Kapitel Patch), der z. B. zum Verschluss eines Defektes (= Gewebslücke) dient. Die Entfernung von Perikard hat keine Auswirkung auf die Herzfunktion. Es kann aber zu Verwachsungen und Verklebungen der Herzaußenhaut (= Epikard) mit der Rückseite des Brustbeins (= Sternum) kommen, die eine erneute Operation erschweren können, da diese dann erst sehr sorgfältig durchtrennt werden müssen. Wenn eine erneute Operation im weiteren Krankheitsverlauf wahrscheinlich oder sogar geplant ist, wird daher eine Membran aus Kunststoff als Ersatz für das entnommene Perikard eingenäht, um Verwachsungen weitgehend zu verhindern.


Was ist ein "Homograft"? Wird es vom Körper abgestoßen? Wann muss es ausgetauscht werden?

Das Wort "Homograft" setzt sich zusammen aus zwei Teilen. "Homo" bedeutet "gleich(artig)", "entsprechend", "artgleich" und wird zunehmend ersetzt durch das Wortteil "allo". "Graft" ist englisch für "Transplantat" (= durch Einpflanzung in den Organismus verbrachte Zellen, Gewebe oder Organe). Ein Homograft ist Gewebe von Spendern oder Verstorbenen (z. B. Teile von herznahen Gefäßen mit Herzklappen), dass in den Organismus eingepflanzt wird. In der Kinderherzchirurgie verwendet man den Begriff Homograft i.e.S. für Pulmonalishomograft, also für den von der rechten Herzkammer (= Ventrikel) entspringenden Lungenschlagaderstamm (Truncus pulmonalis) mit Herzklappe (= Pulmonalklappe) mit oder ohne Aufzweigung in die rechte und linke Lungenschlagader (= Pulmonalarterie). Das Pulmonalishomograft wird bei Bedarf zwischen rechtem Ventrikel und Pulmonalarterien zwischengeschaltet (= interponiert) (s. a. Kapitel Homograft).

Als biologisch inaktives Gewebe wird das Homograft nicht vom Körper abgestoßen.

Das Homograft unterliegt aber den normalen Um- und Abbauprozessen (= Degenerationsprozessen) des Körpers. Es kommt zu Verkalkungen und Schrumpfungen, die zu einer Funktionseinschränkung führen können. Der zeitliche Ablauf dieser Degenerationsprozesse ist u. a. abhängig von Alter des Kindes unter der zugrunde liegenden Erkrankung. Es können somit keine allgemeinen Vorhersagen über den Zeitpunkt des notwendigen Austausches gemacht werden. Generell gilt, je jünger das Kind und je höher die Belastung des Homograft entsprechend der Schwere des Herzfehlers, desto früher muss ein Austausch aufgrund einer Funktionseinschränkung des Homograft durchgeführt werden.


Wird eingepflanztes Kunststoff-Material (z. B. Flicken, Prothesen) vom Körper abgestoßen?

Als biologisch inaktives Gewebe wird Kunststoff nicht vom Körper abgestoßen. Normalerweise wird die Seite des Kunststoff-Materials, die im ständigen Kontakt mit Blut ist (z. B. die Innenseite von Gefäßprothesen) im Laufe der Zeit von einer neugebildeten Zellschicht (= Neointima) als Ersatz für die Gefäßinnenhaut (= Intima) überzogen.


Wann und wie werden die im Rahmen der Herzoperation aufgenähten vorübergehenden Herzschrittmacherdrähte entfernt?

Das Aufnähen von sehr dünnen Herzschrittmacherdrähten auf das Herz ist ein routinemäßige Sicherheitsmaßnahme jeder (Kinder-)Herzoperation. Mit Hilfe dieser feinen Drähte, die über die Haut ausgeleitet werden, kann bei postoperativ auftretenden Herzrhythmusstörungen das Herz vorübergehend bis zum Einsetzen der Wirkung der medikamentösen Therapie elektrisch stimuliert werden. Das Ziehen dieser Drähte erfolgt erst dann, wenn sicher keine operationsbedingten Herzrhythmusstörungen mehr auftreten. Die Entfernung der Schrittmacherdrähte ist völlig schmerzlos, die winzigen Ausstichkanäle der Haut verschließen sich von alleine.


Wann werden die Hautfäden gezogen?

Der Hautverschluss bei Kindern erfolgt in der Regel durch eine sog. fortlaufende intrakutane (= in der Haut gelegenen) Naht mit einem resorbierbaren (= auflösbaren) Faden. Bei dieser Nahttechnik aus der Plastischen Chirurgie wird die Haut in der obersten Schicht durch einen sich mit der Zeit auflösenden Faden zusammengenäht. Diese Technik verspricht in der Regel die kosmetisch befriedigendsten Ergebnisse. Weiterer Vorteil für die Kinder ist die Tatsache, dass keine Fäden gezogen werden müssen.

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